Vortrag und Rede anlässlich der Ausstellungseröffnung 1995,
SIGNS -ILLUSTRATIONEN SUBJEKTIVER SUGGESTION-
Wir sind heute zusammengekommen, um uns Alexander Pohls Arbeiten der letzen sechs bis acht Monate anzuschauen. Die in dieser Zeit entstandenen Bilder zeichnen sich durch eine Entwicklung aus, die mit kleinen Formaten beginnt, die sich durch einen sehr individuellen, subjektiven Malduktus auszeichenen und in denen die Thematisierung der (Nicht-)Farbe Grau anklingt.
Großformatige Arbeiten folgen, die durch Zurückhaltung und Ruhe charakterisiert sind. Hier reicht das Spektrum von sehr malerisch angelegten Bildern, die Quadrate, Rechtecke und Kreise zeigen, bis hin zu in sich geschlossenen, monochromen Grau-Flächen, die in ihrem Malduktus ganz zurückgenommen, kaum etwas von den Zeichen, die in ihnen verborgen liegen, erkennen lassen.
In Alexander Pohls Arbeiten spielt Die "Farbe" Grau eine wichtige Rolle, wobei die einzelnen Grauwerte selbst hinter dem Wissen um ihre Entstehnung zurücktreten: Sie sind alle das Produkt des Vermischens der Primärfarben Gelb, Rot und Blau, teilweise mit Weiß aufgehellt.
Indem sich die Grundfarben in Grau auflösen und somit ihre Identität verlieren, gewinnt das Grau selbst Symbolcharakter als Summe aller Farben. So handelt es sich hier nur auf den ersten Blick um eine Reduzierung der Malerei, oder sogar um eine generelle Infragestellung derselben.
Das Ende der Malerei, das Künstler immer wieder in unserem Jahrundert durch monochrome Bilder thematisierten, ist hier nicht gemeint. Eher handelt es sich bei Alexanders Pohls Arbeiten um eine zur Ruhe gekommenen Malerei, die nicht einen End- sondern einen Ausgangspunkt markiert, von dem aus neues Handeln erst wieder möglich wird, wie die drei letzten Arbeiten zeigen.
Das zweite große Thema in der Arbeit Alexander Pohls sind Zeichen und Symbole. Sie begegnen uns als frei erfundene, subjektive Zeichenrudimente, bis hin zu historisch belegten Symbolen. Sie heben sich deutlich vom Untergrund ab, sind übermalt, oder verschwinden fast ganz im Grau der Fläche.
Allen diesen Zeichen ist eins gemein, ob subjektive Erfindung oder Überbleibsel der Geschichte: wir können ihren genauen Sinn nicht erfassen. Denn das, was diese Zeichen zu Zeichen macht, nämlich das Sender und Empfänger sich auf den Inhalt geeinigt haben, bzw. dieser bekannt ist, trifft hier nicht zu.
Ob es sich um Alexanders eigene Entwürfe handelt, um Vagabundensprache oder alchimistische Zeichen, die genaue Bedeutung ist entweder noch nicht bekannt, längst wieder verloren gegangen, oder es haben sich im Laufe der Jahrhunderte viele verschiede Bedeutungen entwickelt wie z. B. 'bei der Arbeit mit dem Zeichen für

das Zentrum der Anziehungskraft, (100x100cm,Acryl,Quarzsand auf Leinwand, in Privatbesitz)
das im Mittelalter in der Alchemie für Öl stand, in der frühen Chemie das Zeichen für kristallines Kupfer war, in der Vagabundensprache in Schweden "kein Geld aber Essen" bedeutete, und heute in der Verpackungsindustrie das Zeichen für das Zentrum des Schwerpunktes ist.
Gerade in unserer heutigen Zeit, in der die Kommunikation zum größten Teil über Zeichen und Symbole abgewickelt wird, und wir nur allzuschnell bereit sind, uns immer neue Zeichen mit immer neuen Inhalten anzueignen, problenatisiert Alexander Pohl dieses Verhalten durch seine Arbeiten.
Hier verknüpft sich das Grau als Quintessenz der Malerei mit den sinnfreien Symbol. Alexander Pohl thematisiert somit das Verhältnis Betrachter - Bild und Betrachter - Zeichen. Genau wie in der Malerei heute keine verbindlichen Aussagen mehr gemacht werden können, und der Betrachter selbst aufgefordert ist, zum Gesehenen eine ganz eigene subjektive und individuelle Kommunikationsebene herzustellen, so muß er auch die sinnfreien Zeichen aktiv mit neuem Leben füllen.
Alexander fordert den Betrachter durch seine suggestiven, teilweise meditativen Bilder zum genauen Hinsehen, Einfühlen und Reflektieren auf, ohne dabei belehrend oder einengend zu sein.
© (Copyright) Alexander Pohl / VG Bild-Kunst